Geschichten

Donnerstag, 26. Oktober 2006

Netter Abend

Leise öffnet er die Tür, als er spät nachts von seinem Treffen mit den alten Kumpels heim kommt. Es war ein sehr feucht-fröhlicher Abend. Er schließt leise die Wohnungstür, bedacht darauf sie nicht zu wecken. Er hat ein etwas mulmiges Gefühl, weil er so spät heim kommt, wo er ihr doch versprochen hatte, es nicht so sehr ausarten zu lassen, nichts zu trinken und brav zu sein. Mit leisen Schritten geht er den dunklen Flur entlang, legt seine Schlüssel in das Schälchen auf dem Schuhschrank.

Er hat sich einen Plan zurecht gelegt... Ganz leise ins Bad, die Abendtoilette verrichten, und dann auf Zehenspitzen in das Schlafzimmer schleichen, sich ganz langsam ins Bett legen und sie ja nicht wecken. Es war wirklich schon spät, und sie wäre nicht sehr erfreut. Gesagt, getan. Katzengleich aber wankend folgt er seinem Plan und liegt letztendlich Bett des flammneuen Schlafzimmers, das erst wenige Tage zuvor geliefert wurde.

Er legt sich langsam auf den Rücken und atmet einmal tief und lange durch. Da ertastet seine linke Hand einen länglichen, mittelharten Gegenstand. Er kann ihn im Dunkeln weder erkennen noch zuordnen. Die zweite Hand zu Hilfe nehmend tastet er den Gegenstand ab. "Was ist das nur..." fragt er als er am harten Ende eine bewegliche Stelle bemerkt. Dem männlichen Forscherdrang folgend beschließt er, der Sache auf den Grund zu gehen.

Brrrrrrrr... das gute Stück beginnt zu leben. Vollkommen überrascht wirft er es in die Luft, versucht es im Dunkeln zu fangen und... er verfehlt es natürlich.. Das Ding landet auf dem Laminatboden, rollt ein Stückchen weit unter das Bett und verharrt dort brummend. Das Laminat wirkt wie ein Geräuschverstärker, aus dem brrrrrr wird ein BRRRRRR. Er beginnt zu schwitzen. Halb auf der Bettkante liegend versucht er dieses brummende Etwas zu angeln. Seine Hand tastet den Boden unter dem Bett ab, wird aber nicht auf anhieb fündig. Er hebt seinen Kopf um zu prüfen, ob sie wirklich noch schläft. Zeitgleich ertastet sein Zeigefinger die Spitze des Ruhestörers. Freudig nimmt er dieses zur Kenntnis, kann aber nicht mehr verhindern dass er langsam von der Bettkante rutscht. Ein Gedanke schießt durch seinen Kopf: "Neeeeeiiiiin..." zu spät.

Mit einem dumpfen Knall landet er auf dem harten Laminat, prellt sich den Steiß und zu allem Überfluss schieben seine Finger den brummenden Gegenstand weiter unter das Bett. Sein Kopf schnellt hoch, schläft sie noch? Mit den Ausmaßen des neuen Schlafzimmers noch nicht vertraut, beschließen sein Kopf und der Nachttisch Bekanntschaft zu machen. „Auaaa“... er sagt nichts, denkt es nur. Langsam reißt sein Geduldsfaden. Mit langem Arm greift er den Ruhestörer, steckt ihn unter den Arm und krabbelt aus dem Schlafzimmer in Richtung Bad.
Leicht lädiert blickt er in den Spiegel. Auf dem Waschtisch steht der Vibrator, der ihn anzugrinsen scheint. Er wäscht sich, begutachtet seine Blessuren und beschließt das Erlebte für sich zu behalten. Sie wird ihm schon irgendwann von ihrem Spielzeug berichten. Der Mann an sich ist ja von Natur aus sehr gutgläubig und vertrauensvoll. Er platziert den Lustspender am ursprünglichen Fundort, dreht sich um und schläft ein.

Er wacht auf. Sein Steiß schmerzt, seine Schulter hat auch etwas abbekommen. Hinzu kommt ein etwas dicker Kopf. Das Bett neben ihm ist leer. "Ah es ist weg... sie hat nicht gemerkt dass ich es weiss..." denkt er mit einem kleinen Lächeln. Seine schmerzenden Körperteile schieben sich wieder in den gefühlsmäßigen Vordergrund. Er steht auf, geht ins Bad und duscht sich.

In der Küche sitzt sie bereits im Morgenmantel am Frühstückstisch und telefoniert. Sie sieht entspannt aus. "Sie hat nichts gemerkt..." denkt er und nimmt eine Tasse. Er verfolgt das Gespräch nur halb während er sich einen Kaffee eingießt. "Ja Leni, habe ich... nein... nein... wirklich nicht... doch, es war sehr nett... ja... finde ich auch... müssen wir wiederholen... unbedingt... ja, hab’ ihn gefunden... ok... Ciao ."

Er setzt sich an den Tisch, nimmt sich ein Frühstücksei und denkt: "Ein Segen, alles in Butter, sie hat nix gemerkt, war ich cool..." er lächelt „...und bald erzählt sie mir von ihrem neuen Spielzeug... bestimmt tut sie das... bald..."

Montag, 23. Oktober 2006

Die Whiskyprobe

Tage wie letztens …

…können mir eigentlich, ehrlich gesagt, gestohlen bleiben. Aber um diesen Spruch nicht unbegründet in den in den Raum zu stellen, sollte ich schon etwas ausholen. Der heutige Tag begann eigentlich gestern Abend…

Ein langweiliger Diaabend zum Thema „Wildtiere in Kenia“, bei dem das eine oder andere Bild wie „von einer Ansichtskarte abfotografiert“ aussah, bewog mich dazu, eine Whiskyprobe für den späteren Abend, zumindest schon gedanklich, vorzubereiten. Nachdem der Vortragende seine lang erwarteten abschließenden Worte zu seinen fotografischen Höchstleistungen an das unsäglich dankbare Publikum richtete, wurden die Gedanken in die Tat umgesetzt.

Meine Reise in die Welt der Frustrationslöser, denn nichts anderes ist eine geplante Whiskyprobe mit mehr als 3 Sorten, begann in der Speyside. Sehr gut trinkbar, diese Speysideprölle, man muss nicht viel Nachdenken, nur trinken. Zwei doppelte wurden sehr schnell „probiert“, denn es war ja eine Whiskyprobe, aber dieses Mal eine echte „One-Man-Show“. Nun gut, zwei Striche, für jeden doppelten einen, auf das „Damit ich morgen weiß wie viel ich gestern drin hatte“ - Kärtchen, und weiter ging es.

Ab in die Highlands, dort wurden wiederum zwei doppelte „probiert“. Die Fähigkeiten des Gaumens Nuancen zu erkennen schwanden allmählich. Zwei Striche mehr auf der Liste. Kontrolle ist ja sooo wichtig. Es wurde wieder in den Schrank geschaut. Die Western Highlands versteckten sich hinter den Orkneys, geografisch nicht ganz korrekt, aber der Schrank bietet nicht mehr Möglichkeiten. Über die Hafenstadt Oban (ein Strich) und die Insel Skye (2 Striche) gelang ich endlich (wie eigentlich jedes Mal) auf die Insel Islay.

Islay… mein Islay. Insel der rauchigen Whiskys, selbst nach 7 Strichen auf der Kontroll-Liste am Geschmack zu erkennen. Mittlerweile drängte sich der Hauptgrund der Whiskyprobe in den Vordergrund. Nein, es war nicht die Frustration über die Gazellen- und Giraffenbilder, sondern das, was mich schon seit geraumer Zeit in immer stärkerem Maß beschäftigte. Natürlich geht es um das andere Geschlecht. In meinem bescheidenen Fall geht es da um eine bestimmte Frau, die mir, ohne dass sie es vielleicht wusste, auf ihre Art gänzlich den Kopf verdreht hatte. Apropos verdreht… nach Aufschlagen auf Islay und der Verkostung des ersten Inselwhiskys, 6 hatte ich noch vor mir, schlug mein desolates Gefühlsleben um… in Mut und Zuversicht. Das ist immer so nachdem ich die Insel betreten habe. Der Mut gipfelt dann in Fantasien, die nichts mit dem Lebenswasser zu tun haben, eher mit der reichlichen und ausführlichen Befriedigung des anderen Geschlechtes. Natürlich wird dabei nicht an den eigenen Vorteil gedacht, man ist ja Gentleman. Die Striche haben mittlerweile keine Strichform mehr, sie ähneln eher einer mutwillig dem Zettel zugefügten Verletzung. Fahren wir also fort.

Ob der Rest des konsumierten Whiskys wirklich von der Insel kam konnte ich am heutigen Morgen nicht mehr sagen. Auf jeden Fall müssen es noch einige gewesen sein. Eine Überfahrt nach Irland fand wohl auch noch statt. Auf dem Zettel waren aber nur 7 Striche, 4 Löchern im Zettel und, vage erkennbar, mehrfach der Name der Angebeteten. Nur 7 Striche… ich war Stolz auf mich, nur fühlte ich mich eher so wie nach 12 – 15 Strichen. Stark lädiert mit Erinnerungslücken. Und da kam es wieder, das Gefühl mal damit aufhören zu müssen, dem Alk, dem Frust. Man sollte sein Leben doch besser gestalten können.

Mit diesem Vorsatz durchforstete ich den ganzen Rest des heutigen Tages das Internet, auf der Suche nach der ultimativen Lösung für meine Probleme, dem Hobby, was meinem Leben eine neue Wendung geben wird, Hauptsache, weg von den Frauen, weg vom Alkohol. Spät am Nachmittag wurde ich fündig. Voller Enthusiasmus meldete ich mich Online an, entrichtete die Kursgebühr sofort per Kreditkarte und malte mir in meiner Vorstellung meine künftigen Freizeittätigkeiten aus. Die Vorfreude kannte keine Grenzen. Es war fast so ein Gefühl, als hätte die so lange hofierte Dame, dessen Name so oft auf dem Zettel stand, endlich ihr Ja-Wort gegeben. Morgen würde ich sofort eine Digitalkamera kaufen und am Dienstag beginnt dann der VHS Kurs: „Wildtiere richtig ins Bild gesetzt“.

Heute Abend werde ich bei meinem Online Whisky Händler vorsichtshalber erst einmal eine neue Bestellung aufgeben. Sicher ist sicher.

Wichtig !!!

Willkommen in meinem Webblog.

Die hier geschriebenen Texte entstammen sämtlichst meinen Gehirnwindungen und sind zum Teil nicht jugendfrei, also... alles unter 18 Jahren schnell wieder hier raus, der Form halber sei dies gesagt.

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So Long
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